Optische Justage von verschiedenen Fernrohrtypen

Aus meiner Sicht/Erfahrung kann man viel theoretisch schreiben, es ersetzt aber nicht die Praxis.Zu verschieden sind die Möglichkeiten bei den Teleskoptypen. Außer das man noch zusätzlich im Handel für das ein oder andere Gerät verschiedene Hilfsmittel kauft und bei dem einen oder anderen Gerät auch darauf verzichten kann. Dann kommt noch das eigene Geschick/Überwindung um am Teleskop Veränderungen vor zu nehmen.Meine Empfehlung: Komm vorbei und wir versuchen mit den vorhandenen Hilfsmitteln zu helfen.Ein „künstlicher“ Stern kann bei bewölktem Himmel in ca. 100m Entfernung bei uns schon viel bringen.Wer es dennoch selber machen möchte hier ein paar eigene Empfehlungen:
Hinweis für alle Teleskoparten: Es muss der Umgebungstemperatur angepasst sein!!! Als Richtwert: 1Zoll =2,54cm=10min.


Justage vom

Schmidt-Cassegrain:

Am „einfachsten“ zu justieren sind die bekannten „Sc“ (Schmidt-Cassegrain) Teleskope.Hierzu benötigt man das eventuell beigefügte Werkzeug wie passender Inbus oder Schraubendreher um am echten Stern, am besten den Polarstern, zu justieren. Auch wenn das Einblickverhalten unangenehm ist sollte man auf einen Zenitspiegel verzichten und den Schärferegler immer entgegen dem Uhrzeiger drehen bis das Bild scharf ist. Ein einfacher Spruch heißt: Alles muss im Okular rund erscheinen. Dabei stellt man den Stern erst einmal unscharf mit einem „mittleren Okular“ (z.B.20mm) ein. Dabei sollten der helle Teil (Hauptspiegel) und der innere dunkle (Fangspiegel) eindeutig zu erkennen sein. Die Beurteilung muss immer in der Mitte des Okulargesichtsfeldes vorgenommen werden! Nun ist das Auge gefragt ob sich die dunkle Fläche bereits mittig in der hellen Fläche befindet. Falls nicht, die Justierschrauben am Fangspiegel mit dem „beigefügten“ Werkzeug an den kleinen Justierschrauben minimal die ein oder andere ganz vorsichtig verdrehen bis der „dunkle“ Schatten mittig sitzt. Dies wird nun mit einem stärker Vergrößernden Okular wiederholt und immer weiter verfeinert. Dabei muss man dann immer wieder zwischen scharf (wenn der Stern am kleinsten ist) und unscharf (beide Flächen müssen wieder Sichtbar sein) stellen.Das Ende der Justage ist erreicht wenn aus dem „unscharfen“ Zentrisch ein scharfer Stern wird.Bitte daran denken dass man entgegen dem Uhrzeiger dreht da hier der Hauptspiegel an die „Druckplatte/Rücken“ gelegt wird. Das sogenannte Shifting (Sternspringen während der Scharfeinstellung) kann man bei diesem Teleskoptyp nicht vermeiden da der Hauptspiegel auf dem Blendrohr hin und her gefahren wird und je nach Herstellung Toleranzen ausgesetzt ist.

unscharf eingestellt, Fangspiegel nicht in der Mitteunscharf eingestellt, Fangspiegel in der MitteFokuspunkt mit Beugungsscheibe(n), fertig justiert

Das gleiche kann man auch am Maksutovteleskop testen. Verstellung evtl. auf der Meniskuslinse/Fangspiegel falls nicht aufgedampft oder am hinteren Ende des Hauptspiegels wenn vorhanden (Zug- und Druckschrauben).

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Refraktor:

Bei vielen Refraktoren=Linsenteleskopen kann man den „Linsenblock“ nicht justieren. Hier hängt es vom Hersteller ab wie genau die Teile, Linsenblock-Teleskoptubus und Okularauszug, zueinander ausgerichtet sind. Eine Überprüfung kann  mit einem Chesire-Justierokular vorgenommen werden.Eine Möglichkeit besteht darin bei festem Linsenblock den angeschraubten Okularauszug (meistens 3 Schrauben um den Tubus) zu lösen, und mit dem ganzen die Justage vor zu nehmen.Man muss allerdings darauf achten das dieser soweit herausgedreht ist das man mit einem Okular ohne Zenitprisma einen Stern noch scharf gestellt bekommt. Dann wird diese Position fixiert und anstelle des Okulars das Chesire-Justierokular eingesetzt. Objektiv verschließen!Beispiel eines Chesire-Justierokulars. Und so sieht`s vielleicht vor und nach der justage aus. Je genauer die hellen Kreise zur Deckung/Zentrisch gebracht werden umso besser.

Anwendung: Richten Sie die seitliche Öffnung des Chesire-Justierokulares gegen das Tageslicht. Man kann auch eine diffus eingestellte Taschenlampe verwenden. Das einfallende Licht wird über den 45Grad „Spiegel“ in das Teleskop gelenkt und fällt auf die Oberflächen des Objektivs. Von dort werden die einzelnen Linsenoberflächen reflektiert. Blickt man nun durch die kleine Öffnung des „Okulares“ sieht man Ringe in verschiedenen Anordnungen. Sind sie zufällig alle Deckungsgleich/Zentrisch ist der Refraktor perfekt justiert.

Falls nicht dann:

Den Okularauszug bei leicht gelösten Schrauben am Tubus so hin und her bewegen bis die hellen Kreise Deckungsgleich/Zentrisch sind. Dann die Schrauben festziehen. Es kann sein das das ganze mehrmals wiederholt werden muss da der Okularauszug sich verschiebt.

Bei verstellbaren Linsenblock:

Wird so lange an den Zug- und Druckschrauben gedreht bis die Bilder Deckungsgleich/Zentrisch sind. Fertig. Wenn Sie die Ringe nicht zentrisch hinbekommen, sind die Linsen zueinander verkippt und man sollte den Lieferanten kontaktieren.
Achtung: Sollte sich in dem Refraktor vor dem Okularauszug ein weiteres Linsenelement zur Bildfeldkorrektur oder Brennweitenreduzierung befinden (fest eingebaut) müsste dieses zuerst entfernt werden ansonsten bekommt man falsche Justagebilder zu sehen. Je nach dem sehr aufwändig oder gar nicht machbar!!!

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Newton:

Der Okularauszug sollte gen Himmel zeigen und der Teleskoptubus waagerecht liegen.Dann gehe ich mittlerweile anders vor als die meisten schreiben. Zuerst prüfe ich ob die Fangspiegelstreben mittig im Okulartubus sitzen. Wenn nicht, über die vorhandenen Schrauben diesen mit gleichen Abständen so verschieben das die mittlere Fangspiegelschraube auch in der Mitte sitzt. Voraussetzung ist hier allerdings das der Offset (bei wenigen Newtons) hier nicht schon in der Halterung eingebaut ist! Das sieht man daran das dass Loch mit der Fangspiegelschraube nicht zentrisch ist. Falls ja (wie oben schon erwähnt) nehme ich den Fangspiegel mit der kompletten Schraube, die 3 Justierschrauben bleiben drin, heraus und schaue mit dem Auge durch das Loch. Im Hauptspiegel sehe ich nun das Spiegelbild von mir mit dem Loch und meinem Auge. Nun verstelle ich den Hauptspiegel erst einmal so dass ich mich zentrisch wieder in dem Loch zurück sehe. Damit gewährleiste ich das dass einfallende Licht fast genau wieder zurückgeworfen wird. Nun baue ich den Fangspiegel wieder ein und dieser wird, der Okularauszug sollte auf einer Unendlichkeitsposition eingestellt sein, nun so mit einem Chesir-Justierokular positioniert bis die Reflektionsbilder mit den Fangspiegelstreben und der Mittenmarkierung des Hauptspiegels im Kreuz der Streben zu sehen sind. Das Offset wird dabei automatisch berücksichtigt. Darauf achten das die Justierschrauben vom Fangspiegel auch Handfest sitzen und das Ganze sich durch „Rütteltest“ nicht verändert.In unserem Zubehörarsenal haben wir auch noch ein Concenter-Okular, Laserjustierhilfen sowie einfache Okularlochblende. Die Lochblende reicht danach aus (wenn der Fangspiegel einmal ausgerichtet ist) um den Hauptspiegel ohne Stern zu kollimieren.

Justierte Ansicht. Die kleine weiße Mittenmarkierung auf dem Hauptspiegel ist mitten im „Fadenkreuz“. Tatort lässt grüßen.

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Justierung der Optik

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