Der Weg zur eigenen Gartensternwarte

Vorgeschichte

Schon vor vielen Jahren begann mich der Sternenhimmel zu interessieren. Irgendwann hielt ich dann mein erstes Teleskop in den Händen. Obwohl es nur das Schnäppchen vom Discounter war, stellten sich schon nach kurzer Zeit erste Beobachtungserlebnisse ein: der Mond war riesig, beim Saturn konnte man seinen Ring sehen und die Jupitermonde standen jeden Tag in einer anderen Position. Aber es zeigten sich auch schnell die Nachteile und Grenzen des „Spielzeuges“. Alles wackelte, ständig musste man per Hand an mehreren Schrauben gleichzeitig das Teleskop nachführen, da die Objekte aus dem Sichtfeld gewandert waren. Wo waren überhaupt die fremden Galaxien, Nebel und Kugelsternhaufen, die mich neugierig gemacht hatten? Nichts zu sehen.

Durch die Möglichkeiten des Internets war es nicht schwer, sich über richtige Teleskope zu informieren. Die Wahl fiel auf ein Spiegelteleskop mit 200mm Öffnung und 1000mm Brennweite auf einer stabilen Montierung, die computergesteuert nach führt. Kein Herum suchen mehr am Himmel.

Jetzt nur noch warten bis das Wetter mitspielt.

Als der Himmel aufriss, ging es los. Alles raus schleppen in den Garten: Tisch, Stuhl, Kabeltrommel, Stativ, Montierung, Teleskop, Gegengewichte, Zubehörkoffer und Laptop. Nur noch zusammenbauen und ausrichten. Die Vorfreude wurde schon leicht geschmälert, als langsam wieder Wolken aufzogen. Nach kurzer Zeit war der Himmel dann dicht und es durfte wieder alles abgebaut und rein geschleppt werden. Schade, aber ein anderes mal wird es schon klappen.

Als das Wetter dann auf meiner Seite war, ging es wieder los. Raus mit den ganzen Teilen, aufbauen, einnorden, Schärfe einstellen und ….. Überraschung: es gab richtig was zu sehen. Was mich am meisten beeindruckte war der Ringnebel M57 im Sternbild Leier. Ich hätte nicht gedacht, dass der für mich als interessierten Anfänger sichtbar wäre, sondern er eher ein Objekt für Profis sei. Die Sichtung machte Appetit auf mehr.

Nach vielen erfolgreichen Beobachtungsnächten wuchs der Wunsch nach einer eigenen Sternwarte, in der alles fest montiert und bequem in kurzer Zeit betriebsbereit ist.

Monatelang habe ich überlegt, getüftelt und gezeichnet. Der Bauplatz im eigenen Garten war schnell gefunden: das alte Gartenhaus musste weg. Aber wohin mit dem ganzen Gartenkram? Lösung: Sternwarte mit integriertem Gartenhaus. Sternwarte in ca. 1m Höhe, darunter und daneben Stauraum für die Gartengeräte. Nach einem halben Jahr war die Planung endlich fertig.

Bautagebuch

Nachdem das alte Gartenhaus abgebaut war, mussten 5m³ Mutterboden und 1,5m³ RCL zwischengelagert, das Bauland vermessen und dann unter Berücksichtigung der Grenzabstände das Schnurgerüst gesetzt werden.

Vom örtlichen Baustoffhändler wurden zwischenzeitlich die großen und schweren Materialien wie Bretter, Balken, OSB-Platten, Beton, Bodenanker, 6m lange L-Schienen aus Eisen, Betonplatten und ein langes Abflussrohr mit 20cm Durchmesser geliefert.
Den Kleinkram, wie Schrauben, Winkel, Gewindestangen, Farbe usw., bezog ich in einem Baumarkt.
Für die Bedachung fiel die Wahl auf Kunststoffdachpfannen aus dem Internet. Diese sind leicht, wetterfest und optisch ansprechend.
Bei einem Onlineshop habe ich kugelgelagerte Povolon-Förderrollen mit 80mm Durchmesser und einer Tragkraft von 310kg pro Stück in einem passenden Temperaturbereich entdeckt und gleich bestellt.

Nachdem alles schön sortiert in der Garage zwischengelagert war,

durften auf der Baustelle elf Löcher für die einzubetonierenden Bodenanker und ein großes Loch für das Fundament der Säule gegraben werden. War das eine Plackerei! Der trockene Boden war hart wie Beton. Trotzdem wollte ich aber sicher gehen und das Gewicht der Sternwarte auf möglichst viele Punkte verteilen, da das Erdreich nach längerem Regenwetter aufweichen und nachgeben würde.

Auf dem folgenden Foto sieht man das Ergebnis der vierwöchigen Schufterei.

Da die Säule insgesamt ca. 2,30m hoch ist (0,80cm unterirdisch und 1,50m oberirdisch), hat der Säulenfuß im Erdreich eine Größe von 1 x 1m, um die Kippsicherheit zu gewährleisten und das Gewicht zu verteilen.

Im Inneren der Säule befinden sich 4 lange Gewindestangen à 2m in der Größe M12, die oben etwas über das Säulenende hinaus stehen und das Verschrauben eines Adapters, der später die Montierung tragen soll, ermöglichen.

Im Inneren der Säule steht ein Leerrohr mit 50mm Durchmesser, in dem die späteren Strom- und Datenleitungen verlaufen. Der untere Auslass des Leerrohres endet unter dem Fußboden der Sternwarte und verhindert die Stolperdrähte.

Anschließend konnte der Boden mit dem gelagerten RCL verfüllt, verdichtet und mit Gehwegplatten für den zukünftigen Fußboden des Gartenhauses belegt werden und was jetzt schon verhinderte, dass man während der Bauzeit im Schlamm herumlaufen musste.

Endlich war die Knochenarbeit vorbei und es konnte mit den Holzarbeiten weitergehen.

Die Arbeit ging schnell von der Hand und nach wenigen Tagen sah das Projekt so aus:

Und so ist die tragenden Unterkonstruktion des Fußbodens aufgebaut:

Hier entsteht gerade der Innenraum der Sternwarte:

Nun einige Detailaufnahmen zu den 6 Rollen, welche das Dach fahrbar machen und der Treppe, die in die Sternwarte hinaufführt:

Und hier nun das Rolldach:

Da das Teleskop mit seiner Montierung nicht mehr auf dem Originalstativ zu stehen kommt, sondern auf der Betonsäule, brauchte ich einen Adapter als Verbindungsstück. Dafür wurde der Sohnemann eingespannt. Anhand der Zeichnung …

… durfte er dann dieses Teil bauen:

Als Rotlichtbeleuchtung wurden 11m Led-Strips rundherum an den Innenwänden befestigt.

Wetterfester Grasteppichboden dichtet die Fugen zwischen den Bodendielen ab und schützt gleichzeitig eventuell herunterfallende Teile vor Beschädigung.
Fertig lackiert und montiert sieht das Innere der Sternwarte so aus:

Hier nun das fertige Prachtstück:

Das Regenwasser findet auch seinen sicheren Weg (wenn das Dach geschlossen ist):

Hier der Bauabschnitt „Gartenhaus“:

Sturmsicherungen (insgesamt vier Stück) für das Dach müssen sein:

Action !

Teleskop noch in Ruhestellung:

Die technischen Daten

Die Sternwarte hat eine Größe von 3,00m x 2,50m x 2,70m.

Der Fußboden befindet sich in 90cm Höhe. Wenn das Dach geschlossen ist, kann man sich zwar nur sitzend oder auf Knieen darin aufhalten, da die Firsthöhe nur 1,55m beträgt, doch da das Dach weggerollt werden kann, hat „Mann“ dann Platz mindestens bis zum Himmel.

Das angebaute Gartenhaus bringt es auf die Größe 1,20m x 2,50m x 2,10m, zusätzlich zum Stauraum unterhalb der Sternwarte.

Warum die ganze Trickserei mit der Höhe? Weil Gartenhäuser bis 30m³ baugenehmigungsfrei sind.

Durch die geschickte Wahl der Höhe der Seitenwände und der Säule ist es mir gelungen, eine Sicht von ca. 10° über dem Horizont zu erreichen. In Richtung des weggerollten Daches ist der Winkel leider etwas größer, dafür schattet das Dach vorteilhaft dort einige entfernte Straßenlaternen ab.

Die Materialkosten beliefen sich auf ca. 4000€.

Die Denk- und Planungszeit zog sich mit vielen Unterbrechungen über sechs Monate hin, der erste Spatenstrich erfolgte am 12.9.2016 und der „Einzug“ in die fertige Sternwarte zum Jahresende 2016. Im Frühjahr 2017 waren dann auch die letzten „Baunarben“ im Garten „verheilt“.

Ich hoffe, dass Euch mein Baubericht beim Lesen Freude bereitet hat und dem einen oder anderen Inspirationen liefern konnte.

Viele Grüße von Horst                                                                                                                                                    Nov. 2018

Horst´s Sternwarte mit Gartenhaus

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