Die Plejaden in drei Dimensionen

In den Herbst- und Wintermonaten fällt am klaren Nachthimmel ein nebelartiger
Fleck auf. Bei näherem Hinsehen erkennt man eine Gruppe von sieben Sternen. Der Volksmund spricht deshalb vom „Siebengestirn“, die  Astronomen bezeichnen diesen Sternhaufen als Plejaden.

Wir Sternfreunde haben die „Plejaden“ in den Friesheimer Busch geholt – als Skulptur. Diese steht unter freiem Himmel in der Nähe unseres Sternenhauses und lässt die sieben „Sterne“ bei Dunkelheit leuchten. Das Objekt ist nach der Sonnenuhr unser zweiter Beitrag für Entwicklung des Umweltzentrums. Unser Sternfreund Dr. Wolfgang Mett hat das Entwicklung Konzept für Umweltzentrum angeregt und maßgeblich entwickelt.

Weil die Plejaden zu den Stars am Nachthimmel zählen, weil sie kompakt am Himmel stehen und weil sie kulturell so bedeutend sind, haben wir seinerzeit beschlossen, sie als dreidimensionales, maßstabsgetreues Modell zu bauen und aufzustellen. Inzwischen haben zahlreiche Besucher das Objekt betrachtet und sich an der Info-Tafel über die Plejaden informiert.

Die wirklichen Plejaden sind etwa 420 Lichtjahre von uns entfernt. Ihr Licht benötigt also 420 Jahre, bis es unser Auge erreicht, oder umgekehrt: Wir sehen diese Sterngruppe so, wie sie vor  rund 420 Jahren ausgesehen hat. Entstanden sind die Sterne aus einer Gaswolke und einige von ihnen sind noch heute von diesem Gasnebel umgeben. Ihr Licht bringt das umgebende Gas zum Leuchten, so dass manche von einer eindrucksvollen blauen Aura umrahmt sind. In größeren Teleskopen und auf länger belichteten Fotos ist das gut zu erkennen. Das Alter der Plejaden wird auf 20 bis 50 Millionen Jahre geschätzt. Damit sind die Plejaden viel jünger als unsere Erde, die immerhin schon 4,5 Milliarden Jahre alt ist.

Die Plejaden finden wir im Sternbild Stier. Knapp darunter verläuft die Ekliptik. Deshalb ziehen Sonne und Planeten optisch an dem Sternhaufen vorbei. Der Mond „besucht“ die Plejaden einmal im Monat. Manchmal zieht er seine Bahn vor dem Sternhaufen und verdeckt einige Sterne.

Die Plejaden galten in vielen Kulturen als besondere Sterne und erhielten eigene Namen. Im antiken Griechenland gab man den hellsten Sternen der Gruppe, die eigentlich aus noch vielen weiteren, schwächer leuchtenden Sternen besteht, die Namen von Gestalten der griechischen Mythologie: Atlas und Plejone, sowie deren sieben ‚Töchtern‘ Alkyone, Asterope, Celaeno, Elektra, Maja, Merope und Taygete. In Japan heißen die Plejaden Subaru, in der arabischen Literatur werden sie ath-Thurayya genannt im Türkischen wurden sie als Surayya, im arabischen Sprachraum als Soraya Obaid zu einem weiblichen Vornamen.

Von der Antike bis heute haben sich Kulturen weltweit an der Bewegung der Plejaden am Firmament orientiert. Ihren Lauf haben die Menschen seit alters her genau beobachtet. Bereits vor tausenden Jahren ließen sich mit ihrer Position am Himmel wichtige Termine übers Jahr festlegen: Sumerer und Ägypter richteten ihre Aussaat- und Erntezeiten nach dem Aufgang der Plejaden. Die Mayas stützten sich bei ihrem Kalender auf den Plejaden-Zyklus. Auch hierzulande gab es ein Artefakt, auf dem die Plejaden dargestellt sind. Aus der frühen mitteleuropäischen Bronzezeit stammt die Himmelscheibe von Nebra im heutigen Sachsen-Anhalt. Sie gilt als einer der wichtigsten archäologischen Funde der Epoche und als die älteste bekannte bewegliche Himmelsdarstellung. Ihre Nutzung ist noch nicht endgültig entschlüsselt, aber sie dürfte auch als Kalender benutzt worden sein.

 Quelle:Von Dbachmann, CC BY-SA 3.0,https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1500795 

Jedes Frühjahr, Mitte April, zeigen sich die Plejaden am abendlichen Westhorizont vorerst zum letzten Mal. Das galt als Einzug des Frühlings. Wenn die Plejaden vom Himmel verschwanden, wussten die frühen Bauern, dass sie  ihre Saat ausbringen konnten, denn der Winter war  endgültig vorüber. Hierzulande gehen sie dann kurz nach dem Dunkelwerden unter und können danach für rund 40 Tagen nicht gesichtet werden.

Die Planung

Wir wollten unsere Plejaden-Skulptur ganz in der Nähe des Sternenhauses aufstellen. Doch vorher musste die Geschäftsführung des Umweltzentrums diesem Standort und dem Bau zustimmen. Denn nicht überall dürfen in dem naturgeschützten Areal ohne weiteres Löcher gebohrt und zubetoniert werden. Nachdem die Zustimmung vorlag, bildeten wir das Team, um das Projekt umzusetzen: Joachim Finner, ein Elektroniker und Handwerker, Peter Schmidt, Vermessungstechniker und ich, Stanislaw Pawnuk, als Ideengeber und Koordinator.

Wir hatten uns bereits entschieden, dass die sieben Sterne aus ozeantürkisen Glasbrocken bestehen sollten. Selbstverständlich sollte unsere Skulptur im Dunkeln leuchten. Aber wie würden wir sie ans Leuchten bringen? Das Licht könnten Leuchtdioden erzeugen, so die Idee. Um die Dioden in den Glasbrocken zu platzieren, mussten diese zunächst angebohrt werden. Dabei erwiesen sie sich als buchstäblich harte Brocken. Joachim Finner und ich verbrachten mehrere Abende damit, die Löcher zu bohren, um sie dann mit Dioden zu bestücken. Schließlich waren aus den Glasbrocken gläserne Sterne geworden. Wir montierten sie auf standfeste Edelstahlrohre, die wir später einbetonierten. Denn vorher kam noch eine andere Aufgabe auf uns zu …

Maßstab und Positionierung

Unsere Skulptur sollte nämlich nicht nur schön aussehen. Wir hatten den Ehrgeiz, sie maßstabsgetreu zu bauen. Die reale Entfernung zum Sternbild Plejaden beträgt zwischen 375 bis 445 Lichtjahren, die Ausdehnung des Sternhaufens selbst zehn Lichtjahre. Das allein ist eine Strecke von real unvorstellbaren knapp 100 Billionen Kilometern!

Um diese astronomischen Entfernungen im vorhandenen Gelände zu simulieren, entschieden wir uns für einen Maßstab, bei dem ein Meter 20 Lichtjahre beträgt. Als erstes legten wir einen fixen Beobachtungspunkt fest. Von diesem Punkt aus bestimmten wir die Entfernung bis zum äußeren Rand der Skulptur: 22 Meter. Von dort aus steckten wir ein Viereck von 5 mal 5 Metern ab, das den zehn Lichtjahren Ausdehnung des Sternhaufens entsprach.

Dank des Wissens und nach Vorgaben von Peter Schmidt haben wir mit ausgeklügelten Messmethoden von höchster Präzision die Entfernung und Höhe der einzelnen Sterne bestimmt.


Erd- und Betonarbeiten

Elektroarbeiten

Die Skulptur

Am 16.12.2017 waren wir nach vier Wochen vorläufig fertig. Die Skulptur wurde dem Vorstand vorgestellt. 
Vielen Dank an die Mitarbeiter von Helios, sowie die Sternfreunde Dieter Hundertmark, Michael Heimbach, Gerd Herzogenrath und Rolf Schneider, die uns tatkräftig im Hintergrund unterstützt haben.

Infotafel

 Fertigstellung der Infotafel im September 2018

Plejaden Projekt

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